2. Juli 2014: Fachtag des Erich Kästner Kinderdorfes

"Keiner darf verloren gehen"

Umgang mit Traumata in der Heimerziehung

 

 

 

 

Gunda Fleischhauer
Heilpädagogin, Beziehungstherapeutin und Fachpädagogin für Psychotraumatologie. Mitbegründerin des Vereins Erich Kästner Kinderdorf e. V. und seit vielen Jahren Geschäftsführerin und Leiterin des Erich Kästner Kinderdorfes.

40 Jahre Heimerziehung und immer noch Suchende

40 Jahre Heimerziehung - können wir jetzt alles? Leider nicht. Heimerziehung bedeutet ständige Veränderung und Anpassung. Der Vortrag vermittelt einen kleinen Eindruck darüber wer wir sind, wo wir stehen und in welche Richtung wir weiter gehen.

 

Prof. Dr. phil. Silke Brigitta Gahleitner
Prof. Dr. phil., studierte Soziale Arbeit und promovierte in Klinischer Psychologie. Sie arbeitete langjährig als Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin in der sozialtherapeutischen Einrichtung für traumatisierte Mädchen TWG Myrrha sowie in eigener Praxis. Seit 2005 ist sie als Professorin für Klinische Psychologie und Sozialarbeit mit den Arbeits- und Forschungsschwerpunkten psychosoziale Diagnostik, Psychotherapie und Beratung, qualitative Forschungsmethoden und Psychotraumatologie zunächst an der EFH Ludwigshafen, danach an der Alice Salomon Hochschule  Berlin tätig, Seit 2012 außerdem auf einer Forschungsprofessur für Integrative Therapie und Psychosoziale Interventionen am Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit an der Donau-Universität Krems.
Das therapeutische Milieu in der stationären Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Trotz rückläufiger demografischer Entwicklung steigt der Hilfebedarf, besonders die Intensität. Psychische Störungen im stationären Kontext nehmen mehr und mehr zu. Der Vortrag zeigt an Hand von Experten- und Betroffenenbefragungen auf, warum eine traumapädagogische Haltung nötig und ein therapeutisches Setting hilfreich ist im Umgang mit komplex traumatisierten Kindern und Jugendlichen.

 

Wilma Weiß
Diplom-Pädagogin, Diplom-Sozialpädagogin, Jg. 1951. Seit 1974 Arbeit mit traumatisierten Mädchen und Jungen in verschiedenen Arbeitsfeldern der Jugendhilfe, Weiterbildung in frauenspezifischer Sozialtherapie, struktureller Familientherapie und Traumaverarbeitung nach sexuellem Missbrauch; Kursleiterin der Deutschen Qigonggesellschaft, seit 2007 Leitung des  Zentrums für Traumapädagogik, Gründerin (gemeinsam mit Martin Kühn) der BAG Traumapädagogik, Fachbuchautorin.
"Als wäre ich ein Geist, der auf mich runter schaut" - traumapädagogische Selbstbemächtigung für hochdissoziative Mädchen und Jungen
Traumatisierte Mädchen und Jungen müssen dissoziieren, um die harten Lebensbedingungen zu überstehen. Im Laufe der Zeit verselbstständigt sich die dissoziative Reaktion und wird extrem störend und anstrengend. Damit die Mädchen und Jungen eine Chance auf ein besseres Leben und auf soziale Teilhabe bekommen, sollen sie mit unserer Unterstützung lernen, dissoziative Verhaltensweisen zu verstehen und zu regulieren. Dazu trägt die Pädagogik der Selbstbemächtigung bei.
Harald Britze
M.A. (Management sozialer Organisationen); Dipl. Sozialpädagoge (FH); Sozialbetriebswirt (FH/NDS). Bisher tätig bei einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe, u. A. in der therapeutischen Heimerziehung, sowie im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Aktuell als Strategischer Teamleiter „Hilfen zur Erziehung“ im Bayerischen Landesjugendamt tätig.
Heimerziehung und der Umgang mit Traumata aus der Sicht des Jugendamtes
Die Heimerziehung wird immer innerhalb der Kommunen diskutiert. Die hohen Kosten stehen oft am Pranger. Der Vortrag zeigt auf, unter welchen Bedingungen Heimerziehung wirksam ist und warum sie ein wichtiges Instrument der Jugendhilfe ist, besonders auch für komplex traumatisierte Kinder und Jugendliche. Anhand der neuen fachlichen Empfehlungen zur Heimerziehung des Bayerischen Landesjugendamtes werden die gelingenden Faktoren für stationäre Maßnahmen aufgezeigt.