Grußworte

 

Horst Seehofer, Bayerischer Ministerpräsident

Kinder brauchen Liebe, Geborgenheit, Halt und Unterstützung. Sie brauchen einen festen Bezugsrahmen, der ihnen Orientierung gibt, ihnen Möglichkeiten eröffnet, aber auch Grenzen aufzeigt. Idealerweise finden sie dies alles in ihrer Familie. Aber wir wissen auch, dass dies leider nicht immer so ist.

Manche Kinder wachsen in schwierigen familiären Situationen auf, sind traumatisierte Opfer von Gewalt oder haben individuelle Entwicklungsprobleme. Für Kinder, die deshalb eine besondere Betreuung und Fürsorge brauchen, wurde vor 35 Jahren das Erich Kästner Kinderdorf gegründet. Der Schriftsteller und Kinderfreund Erich Kästner erlaubte, dass diese Einrichtung seinen Namen trägt. Seine Lebensgefährtin vermachte nach ihrem Tod das gesamte Inventar des gemeinsamen Münchner Hauses einschließlich der Bibliothek dem Kinderdorf, das damit auch zu einem kulturellen Anziehungspunkt wurde.

Erich Kästner gilt als der Begründer einer neuen Art des Kinderbuches. Er schrieb keine Heile-Welt-Geschichten oder phantastische Märchen, er zeigte junge Menschen in der Welt, wie sie wirklich ist. Er schildert, wie Kinder ihr Schicksal in die Hand nehmen, sich gegen widrige Umstände behaupten und zu einem eigenen Leben finden. Genau das geschieht auch in dem nach ihm benannten Kinderdorf. In verschiedenen heilpädagogischen und therapeutischen Einrichtungen wird den Kindern ein Weg in ein eigenes, selbstbestimmtes und verantwortungsvoll geführtes Leben gewiesen. Der Schutz und die Geborgenheit in einem Familienverband und der Dorfgemeinschaft spielen dabei ebenso eine wichtige Rolle wie die Möglichkeit, sich im schulischen Lernen und bei zielgerichteten Tätigkeiten zu beweisen. Das Erich Kästner Kinderdorf leistet damit seit 35 Jahren einen unschätzbar wertvollen Beitrag, um jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben. Allen, die sich in dieser Zeit für dieses Ziel engagiert haben, danke ich herzlich.

Dem Erich Kästner Jugenddorf wünsche ich eine gelungene Jubiläumsfeier und auch weiterhin eine erfolgreiche Arbeit.

 

Barbara Stamm,  Präsidentin des Bayerischen Landtages

Liebe Festgäste!

Gerne würde ich heute mit Ihnen zusammen den 35. Geburtstag des Erich Kästner Kinderdorfes feiern. Leider verbietet es mir mein Terminkalender, denn heute tagt der Bayerische Landtag, und da hat die Präsidentin anwesend zu sein.

Umso herzlicher gratuliere ich Ihnen auf diesem Weg zu einem Jubiläum, das zugleich an den Namensgeber erinnert, der vor 35 Jahren starb.

Von Anfang an orientierte sich die Arbeit des Kinderdorfes an Erich Kästners Verständnis von Kindern und für Kinder. Dass es keine leichte Aufgabe ist, Kindern gerecht zu werden, hat der Schriftsteller einmal so ausgedrückt: „Erst bei den Enkeln ist man dann so weit, dass man die Kinder ungefähr verstehen kann.“

In seinen Büchern über Kinder und für Kinder erfährt man, wie Erich Kästner das Leben im Allgemeinen und besonders das Leben von Kindern und Jugendlichen sah. Vielleicht sind seine Romane deshalb noch heute so beliebt, weil er darin keine heile Welt zeichnete, sondern zeigte, dass man auch als Kind mit Problemen zurecht kommen muss.

Wie sehr er Kinder schätzte und wie wichtig ihm die Erziehung von Kindern war, spricht auch aus folgenden Sätzen: „Dass wir wieder werden wie Kinder, ist eine unerfüllbare Forderung. Aber wir können zu verhüten versuchen, dass die Kinder so werden wie wir.“

Im Erich Kästner Kinderdorf leben ganz unterschiedliche Menschen zusammen. Manche von ihnen haben früher darunter gelitten, dass Erwachsene – oft sogar ihre Eltern – nicht gut mit ihnen umgegangen sind. Erst hier im Kinderdorf haben sie dann erfahren, was Familie, Gemeinschaft, Fürsorge, Freundschaft und auch Liebe bedeuten können und wie wichtig sie für ein glückliches Leben sind.

Die Kinderdorffamilien sind ein wunderbares Beispiel dafür, wie recht Erich Kästner hatte, als er sagte: „Es gibt’s nichts Gutes, außer: Man tut es.“

Hier wird Gutes getan – immer wieder, jeden Tag. Meist sind es keine großen, spektakulären Aktionen, sondern kleine Gesten, ein Lob, ein In-den-Arm-Nehmen, ein tröstendes oder aufmunterndes Wort, das dazu beiträgt, dass wieder Freude einkehrt und dass ein Kind mit sich und anderen wieder besser zurecht kommt.

Ich danke den Kinderdorffamilien sehr für all das, was sie zum Wohle der hier lebenden Kinder vollbringen. Und ich wünsche mir an diesem besonderen Tag, dass sie auch in Zukunft nicht Lebensängstlichkeit, sondern Lebenszuversicht vermitteln.

Machen Sie den Kindern Mut, dem Leben zu begegnen, und zeigen Sie ihnen, dass es sich lohnt, erwachsen zu werden, und begleiten Sie die Mädchen und Jungen auf diesem Weg mit Verständnis und Zuversicht!

Zum Gründungsjubiläum gratuliere ich dem Erich Kästner Kinderdorf nochmals sehr herzlich und wünsche den heutigen Feierlichkeiten einen fröhlichen Verlauf!

 

Dr. Ludwig Spaenle, Bayerischer Staatsministers für Unterricht und Kultus


Eine glückliche Kindheit ist ein Schatz für das ganze Leben. Das wusste keiner besser als der berühmte Namenspatron des Erich-Kästner-Kinderdorfes. Von ihm stammt ja das Wort: „Die Kindheit ist das stille, reine Licht, das aus der eigenen Vergangenheit tröstlich in die Gegenwart und Zukunft hinüberleuchtet. (…) Die Kindheit ist unser Leuchtturm.“ Allerdings war Erich Kästner alles andere als naiv. Er wusste sehr wohl, dass nicht jede Kindheit so glücklich verläuft. Das zeigt sich in seinen Kinderbüchern immer wieder, denn hier werden die jungen Helden ja nicht selten mit Erfahrungen wie Armut, familiären Konflikten oder sogar mit Verbrechen konfrontiert. Letztlich vermitteln seine Erzählungen aber stets eine positive Botschaft: Den Kindern gelingt es hier am Ende, die Konflikte zu bewältigen und zu einer positiven Lebenseinstellung zu finden.


Ich meine, diese Botschaft ist gerade auch für das Erich-Kästner-Kinderdorf bedeutsam! Denn die Kinder, denen das Erich-Kästner-Kinderdorf seit 35 Jahren ein neues Zuhause schenkt, mussten in ihrem bisherigen Leben sehr leidvolle Erfahrungen machen. Sie haben psychische oder physische Gewalt und Missbrauch erlebt, haben unter mangelnder Förderung, Verwahrlosung oder auch Überforderung gelitten – Erfahrungen, die ihnen in ihrem späteren Leben alles andere als der Trost sein können, den Erich Kästner in dem Zitat mit einer frohen Kindheit verbindet. Für diese Kinder bedeutet ihre neue Heimat die Chance auf einen Neuanfang. Denn hier können sie endlich mit dem Bau ihres eigenen Leuchtturms beginnen – unterstützt vom hochkompetenten und verständnisvollen Team des Erich-Kästner-Kinderdorfes. Die intensive Betreuung von Kindern mit Verhaltens-, Emotions-, Entwicklungs- und/oder psychosomatischen Störungen stellt alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderdorfes Tag für Tag vor enorme Herausforderungen – pädagogisch wie auch menschlich. Für den professionellen und großherzigen Einsatz bei der Bewältigung dieser Herausforderungen danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Erich Kästner Kinderdorfes sehr herzlich. Ihr Engagement schenkt Kindern eine Zukunft, es schenkt den jungen Menschen die Chance auf ein erfülltes, eigenständiges Leben in Selbstverantwortung!
 

Viele Kinder gelten bei ihrer Ankunft im Erich-Kästner-Kinderdorf als unbeschulbar. Sie sind aggressiv gegenüber ihren Mitschülern und Lehrkräften, sie nehmen eine Haltung der Arbeitsverweigerung ein oder gehen überhaupt nicht mehr zur Schule. Hier setzt seit 2001 „Sternstunden-SchulCHEN“ an, ein erfolgreiches Kooperationsprojekt von Jugendhilfe und Förderschule. Diese Initiative zeigt: Im Zusammenwirken von Jugendhilfe und Förderschule werden immer wieder neue Wege entwickelt, um Kindern und Jugendlichen in besonderen Notlagen optimale Förderung anzubieten! Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um die UN-Behindertenrechtskommission trete ich dafür ein, dass in Bayern auch weiterhin im Dialog der Partner sinnvolle, fachlich begründbare und auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zugeschnittene Förderkonzepte in den Regionen vorgehalten und weiterentwickelt werden. All denjenigen, die an der Entwicklung und Erarbeitung entsprechender Unterstützungssysteme beteiligt sind, danke ich an dieser Stelle sehr herzlich für ihr Engagement.
 

Zu seinem 35-jährigen Jubiläum gratuliere ich dem Erich Kästner Kinderdorf sehr herzlich! Der gesamten Kinderdorf-Familie wünsche ich alles Gute für die Zukunft – ganz besonders den Kindern, die hier an ihrem individuellen „Leuchtturm“ bauen.

 

Christine Haderthauer, Staatsministerin im Bayerischen Sozialministerium

Die Wohngruppen und die heilpädagogische Tagesstätte des Erich Kästner Kinderdorfes sind wesentlicher Bestandteil der sozialen Infrastruktur von Unterfranken und über die Grenzen des Regierungsbezirks hinaus anerkannt. Die jungen Menschen, die dort für eine bestimmte Zeit oder auf Dauer eine Heimat finden, werden je nach den individuellen Bedürfnissen dabei unterstützt, ihre Stärken zu entwickeln und an ihren Schwächen zu arbeiten. Sie erfahren durch intensive Zuwendung ein hohes Maß an persönlicher Bindung und Sicherheit.
Die konzeptionelle Grundlage, von den Stärken der Kinder auszugehen, war auch Anlass zur Gründung des Beschulungsprojekts "Sternstunden Schulchen", ein Kooperationsprojekt zwischen Schule und Jugendhilfe zur heilpädagogischen Integrationsförderung. Vielen Kindern wurde in kleinen Gruppen die Möglichkeit gegeben, schulische Lücken zu schließen.
Unterschiedliche Arbeitsansätze und umfangreiche Bemühungen zu einem schlüssigen Gesamtkonzept zusammengefasst, lassen besonders Kinder mit traumatischen Erfahrungen in den Wohngruppen ein verlässliches zu Hause finden. Die Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Kinder und des sozialen Umfeldes mit dem Erich Kästner Kinderdorf ist außergewöhnlich hoch und trägt maßgeblich dazu bei, dass das Leben im Kinderdorf nun schon seit 35 Jahren insbesondere von den Kindern als schützend, fördernd und bereichernd erlebt wird.
Ich wünsche dem Träger, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen jungen Menschen, dass sie weiterhin einen so agilen und leistungsstarken Partner mit dem Erich Kästner Kinderdorf Verein zur Seite haben. Der Einrichtung wünsche ich weiterhin gute und gewinnende Ideen, damit auch in Zukunft wichtige Anregungen für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe von hier ausgehen und niemals die Lebendigkeit des Dorfes nachlässt. Denn, wie schon Ihr Namenspatron feststellte: „Nur wer erwachsen wird und Kind
bleibt, ist ein Mensch!“

 

Franz Maget, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag

Liebe Familien und sehr geehrte Damen und Herren,

zum 35-jährigen Jubiläum des Erich-Kästner Kinderdorfes gratuliere ich im Namen der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag ganz herzlich. Mit Ihnen freue ich mich über dieses Jubiläum einer großartigen und wichtigen Einrichtung in Franken.

Auch in unserem Land gibt es Kinder, die aus den verschiedensten Gründen bei ihren Eltern kein Zuhause finden. Ihnen Geborgenheit, eine Zukunft und eine Familie zu schenken hat sich das Erich-Kästner Kinderdorf zur Aufgabe gemacht.

Kindern in Not zu helfen, ihnen ein Heim zu geben, den Weg in eine lebenswerte Zukunft zu ebnen, kann nicht hoch genug gewürdigt werden.

Mit den Worten von Erich Kästner:

„Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“

Wir brauchen Menschen, die Kinder stark machen, die ihnen das Kind-Sein ermöglichen und denen eine Familie bieten, die keine haben – gerade dann, wenn Eltern dies nicht vermögen.

Wir brauchen Menschen, die auf schwierige jungen Menschen eingehen und sie auf dem Weg in ihre Selbständigkeit und die Gesellschaft begleiten.

Solche Familien finden sich im Erich-Kästner Kinderdorf. Sie helfen behutsam selbständig zu werden, mit so viel Unterstützung wie nötig und so viel Selbständigkeit wie möglich. Allen, die diese Schutzorte für Kinder und mit Kindern in den vergangenen Jahrzehnten mit Leben erfüllt haben, danke ich von ganzem Herzen.

Das Jubiläum des Kinderdorfs ist ein Grund zum Feiern. Ich wünsche viel Freude dabei und alles Gute – für die Festlichkeiten ebenso wie für den „Familienalltag“ im Kinderdorf.

Für die nächsten Jahrzehnte wünsche ich weiter Erfolg und ein glückliches Zusammenleben.

 

 

Tanja Kinkel, Autorin

Lebensräume – Lebensträume

Mein Gedicht von Erich Kästner ist „Das Riesenspielzeug“, welches wie folgt beginnt:

Eins habt ihr leider nicht bedacht:
Daß Kinderhaben auch verpflichtet.
Ihr wart auf uns nicht eingerichtet,
ihr habt uns nur zur Welt gebracht.

Doch es gibt Plätze, da ist man auf Kinder eingerichtet; einen Ort, so sehe ich das, da gilt das sogar ganz besonders;  da fühlt man sich für jedes der Kinder verpflichtet, auch dann, wenn  man es nicht auf die Welt gebracht hat. Dort leben und arbeiten  ganz besondere Menschen für die, welche in jungen Jahren nicht wirklich Glück im Leben hatten. Sie wollen Lebensräume in Lebensträume zu verwandeln.  Und dieser Platz hat heute Geburtstag. Wir alle, die wir uns der Idee verpflichtet fühlen,  Mensch im wahrsten Sinne des Wortes zu sein, haben allen Grund mitzufeiern.

Nun gäbe es sicher viel zu sagen über die, welche 35 Jahre für dieses Ziel gearbeitet haben. Selbst über Kästners Ansicht dazu, der einmal schrieb, „es war der 35. Mai“, was sicher ein Druckfehler ist, er hätte diesen Kinderroman sicher über das 35. Jahr dieser Einrichtung geschrieben, wäre er heute noch unter uns. So will ich kurz einspringen und den Bewohnern im Kästner Kinderdorf, die alle heute die wahren Geburtstagskinder sind, den Roman, die Grußworte von ihm vermitteln,  die er heute dazu verfaßt hätte.  

Miteinander lachen ist die Krönung!

Ende. Haben Sie jetzt mehr erwartet? Er war der Autor,  der alles auf den Punkt bringen konnte.  Er hat erkannt, was wichtig, was notwendig ist, für die Kinder, für ihre Betreuer und für uns. Warum hätte er mehr sagen sollen. Er hat von seiner himmlischen Aussichtsplattform gesehen, was hier vorgeht und was hilft und sendet diese Botschaft.  Durch ihn und dieses Kinderdorf habe auch ich gelernt, zu fühlen, wie wichtig dieses gemeinsame Lachen ist. Deshalb, in meinem wie in Kästners Namen: Lacht miteinander, so oft es nur geht!

PS: Hier noch eines seiner (leicht ergänzten) Geburtstagsgedichte:

Wenn im Turm die Glocken läuten,
kann das vielerlei bedeuten.
Erstens: dass ein Festtag ist.
Dann: dass Du geboren bist.
Drittens: dass Dich jemand liebt.
Viertens: dass Dich’s nicht mehr gibt.
Kurz und gut, das Glockenläuten,
kann heut eines nur bedeuten,
Schenken ist wahres Glück auf Erden,
nicht drauf warten, beschenkt zu werden.