|
|
K ä s t n e r H o f -> weiter zum Projekt Gärtnerei
|
Entstehung der Idee
Vor etwa 10 Jahren erhielten die Heime von der Regierung den Auftrag, sich besonders schwierigen Kindern anzunehmen. Diese Kinder hatten mehrfache Aufenthalte in Pflegefamilien oder in psychiatrischen Kliniken hinter sich.
Die Heime machten auf und erhielten Kinder, die zutiefst in ihrem Menschsein verletzt und getroffen waren. Sie wiesen so eine große Menge an massiven Störungen und gravierenden Verhaltensauffälligkeiten auf, dass der Heilungsprozess nur sehr langsam vor sich ging. Erst nach ca. fünf bis sechs Jahren intensivster Betreuung war es diesen Kindern überhaupt möglich, Vertrauen zu entwickeln und menschliche Kontakte und Beziehungen aufzunehmen.
Mit einem unendlich großen Aufwand wurden diese Kinder auch weiterhin gefördert und umhegt. Heute sind sie 14-16 Jahre alt und haben viel gelernt. Sie sind nicht mehr in den klinischen Bereich anzusiedeln, doch gleichwohl nicht in der Lage, den normalen Weg in die Berufswelt und in die Selbständigkeit zu gehen.
Jetzt sind sie für eine Behinderteneinrichtungen überqualifiziert aber auch noch nicht fähig, in der "normalen" Welt Fuß zu fassen, denn in ihrer menschlichen und sozialen Entwicklung sind sie erst 11 oder 12 Jahre alt.
Was machen wir jetzt?
Wir wollen nicht, dass sich diese Jugendlichen in einigen Jahren in das Heer der Arbeitslosen einreihen. Wir wollen nicht, dass diese Jugendlichen in eine Behinderteneinrichtung gehen müssen.
Wir wollen, dass diese Jugendlichen später einmal weitgehend selbständig leben und arbeiten können. Wir wollen, dass unsere Jugendlichen ein erfülltes Leben leben können und dürfen.
Wie erreichen wir das?
Indem wir ihnen noch zwei bis drei Jahre gewähren und sie in dieser Zeit ganz gezielt trainieren und fördern für die Arbeitswelt.
Konzept Kästnerhof
1. Träger
Träger des Kästnerhofes ist der
Verein Erich Kästner Kinderdorf. Er wurde am 09.05.1974 gegründet. Es handelt
sich um einen gemeinnützigen Verein mit der Zielsetzung „Betreuung von
Sozialwaisen, lernbehinderter und verhaltensauffälliger Kinder und
Jugendlicher“.
Die Rechtsform des Trägers ist
privat. Die Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Häuser bestehen in
Mainbernheim, Markt Einersheim, Iphofen (2) und Oberschwarzach (2).
Der Dachverband ist der Deutsche
Paritätische Wohlfahrtsverband.
2. Bedarfsbegründung
„Mangelhafte Ausbildung und
Arbeitslosigkeit junger Menschen bedeuten für sie Gefährdung ihrer Entwicklung
nach § 1 Abs.1 KJHG, ferner Ausschluss und Ausgrenzung von ökonomischer und
sozialer Teilhabe, damit soziale Benachteiligung i.S. des § 13 Abs.1 KJHG.“
( Frankfurter Lehr- und
Praxiskommentar zum KJHG, 2. Aufl.1993, S.169).
Die in unserer
leistungsorientierten Gesellschaft vorherrschende mangelnde Toleranz gegenüber
sozial Schwachen führt zu einer zunehmenden Benachteiligung lernbehinderter und
verhaltensauffälliger Jugendlicher. Aufgrund geringerer Leistungsfähigkeit haben
sie immer weniger Chancen auf einen Einstieg in das geregelte Arbeitsleben. Um
dieser Gefährdung der Jugendlichen, die noch in erhöhtem Maße auf Unterstützung
angewiesen sind, entgegen zu wirken, ist es notwendig den Kästnerhof aufzubauen.
Diese Maßnahme versteht sich auch als Präventivmaßnahme. Die seelisch
behinderten Jugendlichen sollen vor der drohenden Arbeitslosigkeit und damit dem
Abrutschen in die Sozialhilfe bewahrt werden.
Die gesetzlichen Bestimmungen im
SGB 1, § 10 lauten:
„Wer körperlich, geistig oder
seelisch behindert ist oder wem eine solche Behinderung droht, hat unabhängig
von der Ursache der Behinderung ein Recht auf die Hilfe, die notwendig ist,
um
die Behinderung abzuwenden, zu
beseitigen, zu bessern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu
mindern,
ihm einen seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Platz in der
Gemeinschaft, insbesondere im Arbeitsleben, zu sichern.“
3. Leitideen/ Ziele
„Der Kästnerhof ist für mich ein Ort, der mir zeigt, dass ich wichtig bin, dass ich gebraucht werde und ein Teil der Lebensgemeinschaft bin. Hier darf ich Fehler machen, Vergebung spüren, Fähigkeiten entwickeln und durch Arbeit mich selbst kennenlernen und mit mir selbst zurechtkommen. Es ist der Ort, wo ich als der, der ich bin, angenommen werde, wo ich an mir arbeiten kann und von wo aus ich in die Welt gehe!"
Der Kästnerhof soll ein Ort sein,
an dem Jugendliche und Heranwachsende lernen, die Ziele und Aufgaben der
Gemeinschaft mit zu tragen, ihre eigenen Ziele im Leben zu finden und
schrittweise kontinuierlich zu diesen Zielen zu gelangen. Sie sollen hier
lernen, sich als selbstverantwortliche und selbständige Menschen zu begreifen.
Den Jugendlichen, die durch das Tor
des Kästnerhofes gehen, soll das Gefühl vermittelt werden: Heute ist ein neuer
Tag, ein neuer Anfang. Ich bin es wert. Ich bin mutig. Ich glaube an mich. Ich
schaffe es. Ich bin stolz.
Somit sind als konkrete Ziele
unserer Arbeit zu nennen:
Eine Brücke in die Zukunft schlage
Eine reelle Chance bieten, um in das Berufsleben einzusteigen
Stärkung des Selbstwertgefühles
Förderung der Selbständigkeit
Akzeptanz und Integration innerhalb der Gemeinschaft
Vorbereitung auf die Arbeitswelt, Arbeitstraining
eine ganzheitliche Förderung
4. Welche jungen Menschen werden
aufgenommen?
Die Einrichtung soll für 10
Jugendliche nach Beendigung der allgemeinen Schulpflicht bestimmt sein, die
durch das Raster der Berufsförderung fallen.
Die häufigsten Probleme dieser
jungen Menschen sind:
massive Verhaltensauffälligkeiten,
Entwicklungsverzögerungen, Lernbehinderungen, erhebliche Schwierigkeiten im
Leistungsbereich und in der Bewältigung von Alltagsaufgaben, massive emotionale
und soziale Störungen.
Die rechtlichen Grundlagen finden
sich in
§ 13 KJHG Jugendsozialarbeit
§ 27 KJHG „Hilfen zur
Erziehung“
§ 34 KJHG „ Heimerziehung“
§ 35 a KJHG „ Eingliederungshilfe
für seelisch Behinderte“
§ 41 KJHG „Hilfe für junge
Volljährige“
§ 39 BSHG „Eingliederungshilfe
für Behinderte“
5. Art der Wohnform und Örtlichkeit
Der Kästnerhof liegt in einer
idyllischen Landschaft ca. 40 km von Würzburg entfernt. Die ehemalige Mühle des
Dorfes Oberschwarzach stellt Wohn- und Wirkbereich der Jugendlichen dar. Der
Mühle direkt angegliedert ist eine ca. 5 ha große Ackerfläche.
Ähnlich der traditionell ländlichen Großfamilie soll die Unterbringung in Form einer Hofgemeinschaft gestaltet sein. Die 10 Jugendlichen leben mit ihren Betreuern ganzjährig im Kästnerhof in Form einer Lebensgemeinschaft.
Momentaner Zustand der Mühle:
Stark abgewirtschaftetes Gebäude,
änderungsbedürftige Fehlbauten
Angestrebter Zustand:
1.
Bauabschnitt: Verbesserung der Wohnverhältnisse im Hauptgebäude,
Erneuerung der Außenanlagen, Vorgarten, Hühnerhaus, Innenhof, Werkstatt,
Gemeinschaftshaus
2. Bauabschnitt: Ausbau der
Stallungen für die Kleintierzucht, Umbau
3. Bauabschnitt:
Renovierung der Gerätehalle für die Bedürfnisse der
6. Arbeitstraining
Das Arbeitstraining untergliedern
wir in vier Teilbereiche:
Arbeitsverhalten:
Ausdauer, Festigung der
Arbeitsmotivation, Tempo, Qualität, grundsätzliche
positive Arbeitseinstellung, Fleiß, Ordnung, Pünktlichkeit,
Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Redlichkeit
Sozialverhalten:
Kontaktfähigkeit, Anpassungs- und
Durchsetzungsfähigkeit, Annehmen von Anweisungen, Integration in die soziale
Hierarchie, Kritikfähigkeit, Frustrationstoleranz, psychische Belastbarkeit,
Kommunikationsformen, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl
Handwerkliche Fähigkeiten:
Verbesserung und Entwicklung der
physischen Situation, Feinmotorik, Übung von instrumentellen Fertigkeiten und
Förderung der individuellen Fähigkeiten, Vermittlung von Grundkenntnissen
Hilfe zur Selbsthilfe in allen
Bereichen des täglichen Lebens, Stabilisierung der Persönlichkeit
Wir erreichen unser Ziel einer
dauerhaften Integration ins Arbeitsleben ohne das Stigma der Arbeitslosigkeit
durch die gemeinsame Arbeit am Wiederaufbau des Kästnerhofes.
Die Jugendlichen werden gemeinsam
mit ihren Betreuern in Eigenregie den Kästnerhof renovieren und gestalten. Er
soll im Laufe der Zeit die fünf anderen Kinderdorfhäuser mit Getreide, Gemüse,
Obst, und Fleisch versorgen.
Ein nächster Schritt wird der
öffentliche Verkauf und eine kleine Kaffeestube sein, die es zu bewirtschaften
gilt.
Zusätzlich absolvieren die
Jugendlichen Praktika und „Schnupperwochen“ in verschiedenen Betrieben der
Umgebung. So bekommen sie den nötigen Kontakt zur Außenwelt und erlangen einen
Einblick in die „normale“ Arbeitswelt. Durch die Rückmeldung der Betrieben über
die Leistungen der Jugendlichen können Defizite noch besser erkannt und diese
Bereiche innerhalb des Kästnerhofes entsprechend trainiert werden. Folgende
Betriebe stehen zur Verfügung: eine Bäckerei, eine Schlosserei, eine
Schreinerei, ein Maler- und Verputzergeschäft, eine KFZ-Werkstatt, ein
Bauunternehmen, ein Elektrogeschäft und eine Gastwirtschaft.
Somit werden die uns zur Verfügung
stehenden Ressourcen voll ausgeschöpft.
Der persönliche enge Bezug Erzieher
– Kind ist einer der wichtigsten Punkte in diesem Arbeitstraining. Der Erzieher
ist nicht nur Fachmann, sondern wirkt in seiner gesamten Persönlichkeit als
Vorbild für seine Jungen und Mädchen. Wenn die Jugendlichen eine persönliche
Beziehung zu ihrem Erzieher haben, eignen sie sich mit der Zeit Verhaltensmuster
von ihm an und übernehmen sein Modell.
Der persönliche Bezug ist auf dem
Kästnerhof gegeben, denn das pädagogische Fachpersonal lebt dort mit den
Jugendlichen zusammen und gestaltet gemeinsam mit ihnen Arbeit und Freizeit. Die
jungen Menschen wachsen somit in die Arbeitswelt hinein als integrierten Prozess
des gemeinsamen Lebens.
Die Jugendlichen besuchen die
Berufsschulen der Umgebung.
Nach Beendigung der Maßnahme ist
eine Nachbetreuung vorgesehen. Die Jugendlichen sollen dann entweder eine Lehre
anfangen oder eine Ausbildung zum Fachwerker machen. Wenn diese beiden
Möglichkeiten nicht durchführbar sind, wird versucht, die jungen Menschen als
angelernte zuverlässige Hilfskräfte in die Betriebe der Umgebung zu vermitteln.
Hierbei arbeiten wir eng mit dem Arbeitsamt zusammen.
7. Betreuungsangebot
Betreuung durch pädagogisches
Fachkräfte, die im Haus wohnen und berufliche Praxisanleiter
Einbindung in den klar strukturierten und kontrollierten Tagesablauf
der Gruppe
Unterstützung bei der Bewältigung von Gruppenprozessen
Individuelle Förderung in allen Bereichen des täglichen Lebens
bei Bedarf Einbindung in therapeutische Maßnahmen
8. Dauer der Maßnahme
Solange wie nötig – so kurz wie möglich!
Die Jugendlichen kommen nach
Schulabschluss zu uns. Je nach Art und Grad der Auffälligkeiten sind sie schnell
oder weniger schnell in das Arbeitsleben einzugliedern. Wir gehen von einer
Verweildauer zwischen 2 und 4 Jahren aus.
Sehr viel Wert legen wir dabei auf
eine exakte Hilfeplanung in Kooperation mit dem Jugendamt. Wir bieten
verschiedene Trainingsmöglichkeiten für den Jugendlichen an (schulische
Betreuung oder Vermittlung von Arbeits- und Lebenspraxis), daher ist uns ein
klarer Auftrag sehr wichtig. Was soll gefördert werden? Und welche Zeit steht
uns dafür zur Verfügung?
9. Finanzierung
Der Kästnerhof ist ein heilpädagogisches Heim und bezieht den genehmigten Pflegesatz.
Zudem sollen einzelne Maßnahmen
durch Spenden und den Verkauf von selbst erzeugten Produkten finanziert werden.
10. Elternarbeit
Elternarbeit findet in dem Ausmaß statt, wie es der Jugendliche selbst in Absprache mit dem Jugendamt wünscht.
![]()
Wenn Ihnen unsere Idee gefällt, haben Sie die Möglichkeit, unser Projekt zu unterstützen:
ERICH KÄSTNER KINDERDORF Kreissparkasse Schweinfurt Konto-Nr.: 116 111 BLZ: 793 501 01Jede 10,- Euro können uns helfen. Auch unsere Mitarbeiter arbeiten für das Projekt ehrenamtlich. Wir haben deshalb keinen Verwaltungsaufwand.